Ratgeber · Wandel seit 1951 · 8 Minuten Lesezeit
Sonnenstunden im Wandel: 1951 bis 2025 in Zahlen
Deutschland ist sonniger geworden. Zwischen den Referenzperioden 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020 hat die Sonnenscheindauer um 128,8 Stunden im Jahr zugenommen, ein Plus von 8,4 Prozent. Die Jahresreihe seit 1951 zeigt, dass diese Zunahme vor allem in den vergangenen drei Jahrzehnten stattgefunden hat.
Zwei Referenzperioden im Vergleich
Der direkte Vergleich der beiden 30-Jahres-Perioden für Deutschland:
| Größe | 1961-1990 | 1991-2020 | Differenz |
|---|---|---|---|
| Sonnenscheindauer | 1.536,0 h | 1.664,8 h | +128,8 h |
| Lufttemperatur | 8,2 °C | 9,3 °C | +1,1 K |
| Niederschlag | 787,9 mm | 791,5 mm | +3,6 mm |
| Sommertage ab 25 °C | 27,4 | 39,8 | +12,4 |
| Heiße Tage ab 30 °C | 4,2 | 8,9 | +4,7 |
| Frosttage | 90,6 | 81,3 | -9,3 |
Auffällig ist das Nebeneinander: Mehr Sonne und ein Grad mehr Temperatur gehen mit einem praktisch unveränderten Jahresniederschlag einher. Die Regenmenge ist um 3,6 Millimeter gestiegen, das sind weniger als 0,5 Prozent. Verändert hat sich nicht die Menge, sondern die Verteilung über das Jahr.
Wie stark die Zunahme regional ausfällt
Die Zunahme betrifft fast das ganze Land, aber nicht überall gleich stark. Verteilung der Differenz über alle 10.753 Gemeinden:
| Kennwert | Zunahme 1961-1990 auf 1991-2020 |
|---|---|
| Unterstes Zehntel der Gemeinden | unter +77,7 h |
| Unteres Viertel | unter +102,2 h |
| Median | +129,3 h |
| Oberes Viertel | über +155,1 h |
| Oberstes Zehntel | über +182,2 h |
In 10.632 von 10.753 Gemeinden hat die Sonnenscheindauer zugenommen, nur in 121 Gemeinden ist sie zurückgegangen. Die Temperatur ist in jeder einzelnen Gemeinde gestiegen, im Mittel um 1,1 Kelvin und je nach Ort zwischen 0,1 und 2,1 Kelvin. Beim Niederschlag verläuft die Entwicklung uneinheitlich: Manche Gemeinden verzeichnen deutlich mehr, andere deutlich weniger Regen, im Bundesmittel heben sich die Effekte fast auf.
Die Jahresreihe 1951 bis 2025
Die jährlichen Rasterdaten reichen zurück bis 1951 und umfassen 75 Jahre. Die sonnenreichsten und die sonnenärmsten Jahre:
| Sonnigste Jahre | Stunden | Trübste Jahre | Stunden |
|---|---|---|---|
| 2022 | 2.024,1 | 1977 | 1.362,3 |
| 2018 | 2.015,4 | 1987 | 1.370,7 |
| 2003 | 2.010,8 | 1978 | 1.382,7 |
| 1959 | 1.984,2 | 1981 | 1.392,1 |
| 2025 | 1.914,0 | 1984 | 1.401,0 |
Zwischen dem Rekordjahr 2022 mit 2.024,1 Stunden und dem trübsten Jahr 1977 mit 1.362,3 Stunden liegen 661,8 Stunden. Ein einzelnes Jahr kann also stärker vom Mittel abweichen, als sich das Mittel in 60 Jahren verschoben hat. Bemerkenswert ist die Verteilung der Spitzenjahre: 4 der fünf sonnigsten Jahre liegen nach dem Jahr 2000.
Der Trend im Jahrzehntmittel
Einzelne Jahre schwanken zu stark für eine Trendaussage. Die Mittel je Jahrzehnt zeigen die Entwicklung deutlicher:
| Jahrzehnt | Mittel | Jahre in der Reihe |
|---|---|---|
| 1950er | 1.660,5 h | 9 |
| 1960er | 1.552,6 h | 10 |
| 1970er | 1.541,7 h | 10 |
| 1980er | 1.516,8 h | 10 |
| 1990er | 1.603,5 h | 10 |
| 2000er | 1.672,0 h | 10 |
| 2010er | 1.698,2 h | 10 |
| 2020er | 1.815,6 h | 6 |
Von den 1950er Jahren bis in die 1980er Jahre ist die Sonnenscheindauer zunächst gesunken, mit dem Tiefpunkt von 1.516,8 Stunden in den 1980er Jahren. Seitdem steigt sie kontinuierlich an. Das laufende Jahrzehnt liegt bislang bei 1.815,6 Stunden und damit 298,8 Stunden über dem Tiefpunkt. Die Werte der 2020er Jahre umfassen allerdings erst 6 Jahre und sind entsprechend unsicher.
Sonne, Temperatur und Niederschlag
Der Zusammenhang zwischen den drei Größen lässt sich an den Kenntagen ablesen. Mehr Sonnenstunden und höhere Temperaturen führen zu mehr Sommer- und Hitzetagen und zu weniger Frost:
- Die Zahl der Sommertage ab 25 °C ist von 27,4 auf 39,8 gestiegen, also um rund 45 Prozent.
- Die heißen Tage ab 30 °C haben sich von 4,2 auf 8,9 mehr als verdoppelt.
- Die Frosttage sind von 90,6 auf 81,3 zurückgegangen.
Beim Niederschlag zeigt sich kein vergleichbar klares Bild. Die Jahressumme ist nahezu konstant geblieben, während sich die Monatsverteilung verschoben hat. Im Sommer fällt heute weniger Regen als in der alten Periode, im Winter mehr. Die Zahl der Tage mit mindestens 10 Millimetern Niederschlag liegt bundesweit bei 21,5 im Jahr.
Wie sich diese Größen für einen einzelnen Ort zusammen lesen lassen, zeigt Klimatabelle lesen. Das jüngste Jahr der Reihe ist unter Jahr 2025 im Detail aufbereitet.
Quellen
- DWD Climate Data Center: Vieljährige Mittel der Sonnenscheindauer 1991-2020, 1-km-Raster
- DWD Climate Data Center: Jährliche Raster der Sonnenscheindauer ab 1951
- DWD Climate Data Center: Vieljährige Mittel der Lufttemperatur, 1-km-Raster
- DWD Climate Data Center: Vieljährige Mittel des Niederschlags, 1-km-Raster
- DWD Climate Data Center: Vieljährige Mittel der Kenntage 1991-2020
- DWD: Beschreibung der vieljährigen Rasterdaten (DESCRIPTION_gridsgermany_multi_annual_en.pdf)
- WMO: WMO Guidelines on the Calculation of Climate Normals (WMO-No. 1203)
Stand der Daten: DWD-Rasterdaten, vieljährige Mittel 1991-2020 und Jahresraster bis 2025; Text erstellt 14.09.2026.
Häufige Fragen
Wie viel sonniger ist Deutschland geworden?
Im Mittel der Periode 1991 bis 2020 scheint die Sonne 1.664,8 Stunden im Jahr gegenüber 1.536,0 Stunden in der Periode 1961 bis 1990. Das ist ein Plus von 128,8 Stunden oder 8,4 Prozent.
Welches war das sonnigste Jahr seit 1951?
2022 mit 2.024,1 Stunden im Flächenmittel, vor 2018 mit 2.015,4 Stunden und 2003 mit 2.010,8 Stunden. Das trübste Jahr war 1977 mit 1.362,3 Stunden.
Regnet es heute weniger als früher?
Über das Jahr gerechnet kaum. Die Jahressumme liegt bei 791,5 Millimetern gegenüber 787,9 Millimetern in der alten Periode. Verändert hat sich die Verteilung über die Monate, nicht die Gesamtmenge.
Gibt es Orte, an denen die Sonne seltener scheint als früher?
Ja, aber nur wenige. In 121 der 10.753 Gemeinden liegt der Wert der Periode 1991 bis 2020 unter dem der Periode 1961 bis 1990. In allen übrigen hat die Sonnenscheindauer zugenommen.