Sonnenstunden-Karte

Ratgeber · Sonnenstunden erklärt · 6 Minuten Lesezeit

Was sind Sonnenstunden? Definition, Messung und Daten

Eine Sonnenstunde ist keine Stunde Tageslicht, sondern eine Stunde mit kräftiger direkter Sonnenstrahlung. Der Deutsche Wetterdienst misst diese Zeit an seinen Stationen und rechnet sie auf ein Raster von einem Kilometer Kantenlänge um. Im Mittel der Jahre 1991 bis 2020 kommt Deutschland so auf 1.664,8 Stunden im Jahr.

Die Schwelle von 120 Watt pro Quadratmeter

Als Sonnenscheindauer zählt nur die Zeit, in der die direkte Sonnenstrahlung auf einer senkrecht zur Sonne stehenden Fläche mindestens 120 Watt pro Quadratmeter erreicht. Diese Schwelle hat die Weltorganisation für Meteorologie festgelegt, damit Messungen weltweit vergleichbar bleiben. Sie entspricht ungefähr dem Moment, in dem ein Gegenstand einen erkennbaren Schatten wirft.

Daraus folgt eine Eigenheit, die viele Zahlen auf dieser Seite erklärt: Die ersten und letzten Minuten des Tages zählen meist nicht mit, weil die Sonne zu flach steht. Auch eine dünne, hochliegende Wolkenschicht kann die direkte Strahlung unter die Schwelle drücken, obwohl es draußen noch hell und freundlich wirkt. Sonnenscheindauer misst also nicht Helligkeit, sondern ungetrübten, kräftigen Sonnenschein.

Tageslänge, Sonnenscheindauer und Globalstrahlung

Drei Größen werden häufig verwechselt. Sie beschreiben Verschiedenes und haben verschiedene Einheiten:

GrößeWas gemessen wirdEinheitDeutschland-Wert
TageslängeZeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, rein astronomischStundenhängt nur von Datum und Ort ab
SonnenscheindauerZeit mit direkter Strahlung über 120 W/m², also mit WetterStunden1.664,8 h im Jahr
Globalstrahlunggesamte eingestrahlte Energie, direkt und diffus zusammenkWh/m²1.085,7 kWh/m² im Jahr

Die Tageslänge summiert sich in Deutschland über das Jahr auf gut viereinhalbtausend Stunden, weil sich lange Sommertage und kurze Wintertage ausgleichen. Davon bleiben 1.664,8 Stunden als Sonnenschein übrig, im Mittel also 4,56 Stunden pro Tag. Der Rest des Tageslichts fällt auf bedeckte oder trübe Stunden.

Die Globalstrahlung ist die wichtigere Größe, sobald es um Energie geht. Sie zählt auch das diffuse Licht eines bedeckten Himmels mit, das eine Solaranlage ebenfalls nutzt. Deshalb steht sie im Mittelpunkt des Beitrags zu Sonnenstunden und Photovoltaik, während die Sonnenscheindauer eher beschreibt, wie ein Ort erlebt wird.

Von der Messstation zum Kilometerraster

Gemessen wird an Wetterstationen. Ältere Geräte brannten den Sonnenlauf mit einer Glaskugel auf einen Papierstreifen, heute liefern elektronische Sensoren die Strahlungswerte direkt. Aus diesen Punktmessungen entsteht die Fläche: Der DWD interpoliert die Stationswerte zu einem Raster aus 358.303 Zellen von je einem Quadratkilometer, das ganz Deutschland abdeckt. In die Interpolation fließen Höhenlage und Geländeform ein, weil beide den Sonnenschein stark beeinflussen.

Diese Seite liest aus dem Raster für jede der 10.753 deutschen Gemeinden einen Wert aus. Dafür wird der Mittelwert der neun Rasterzellen gebildet, die den Gemeindemittelpunkt aus dem amtlichen Gemeindeverzeichnis umgeben. Ein Wert beschreibt damit eine Fläche von rund neun Quadratkilometern um die Ortsmitte, nicht ein einzelnes Grundstück. Die Deutschland-Werte sind Flächenmittel über alle gültigen Rasterzellen. Mehr dazu steht in der Methodik.

Wichtig ist der Unterschied zwischen Fläche und Bevölkerung: Ein Flächenmittel gewichtet jeden Quadratkilometer gleich, unabhängig davon, ob dort eine Großstadt oder ein Wald liegt.

Was ein vieljähriges Mittel 1991-2020 bedeutet

Einzelne Jahre schwanken stark. Deshalb beschreibt die Klimatologie einen Ort über eine Referenzperiode von 30 Jahren. Die WMO gibt dafür feste Zeitscheiben vor, aktuell 1991 bis 2020, davor 1961 bis 1990. Ein vieljähriges Mittel ist der Durchschnitt aller 30 Jahre dieser Periode, Zelle für Zelle.

Wie groß der Unterschied zwischen beiden Perioden ist, zeigt der Vergleich für Deutschland:

PeriodeSonnenscheindauer im JahrSommer (Jun-Aug)Winter (Dez-Feb)
1961-19901.536,0 h609,1 h152,6 h
1991-20201.664,8 h653,8 h169,7 h
Differenz+128,8 h+44,7 h+17,1 h

Die Monatswerte der aktuellen Periode für Deutschland:

MonatJanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Stunden51,875,9126,6183,0212,6216,1225,7212,0156,8108,054,642,0

Ein Mittel sagt nichts darüber, wie stark die einzelnen Jahre streuen. Genau darum geht es in Klimatabelle lesen. Wer die Entwicklung über die gesamte Messreihe sehen will, findet sie unter Sonnenstunden im Wandel.

Quellen

Stand der Daten: DWD-Rasterdaten, vieljährige Mittel 1991-2020 und Jahresraster bis 2025; Text erstellt 14.09.2026.

Häufige Fragen

Warum hat ein Sommertag selten 16 Sonnenstunden?

Die Schwelle von 120 W/m² wird erst erreicht, wenn die Sonne ausreichend hoch steht und der Himmel frei ist. Morgen- und Abendstunden fallen deshalb fast immer heraus, Wolken kommen dazu. Im Juli liegt das Deutschland-Mittel bei 7,3 Sonnenstunden pro Tag.

Ist ein Ort mit vielen Sonnenstunden automatisch warm?

Nein. Sonnenscheindauer und Temperatur hängen zusammen, werden aber von verschiedenen Faktoren bestimmt. Küstenorte gehören zu den sonnenreichsten Gegenden Deutschlands, bleiben im Sommer aber kühler als sonnenärmere Orte im Binnenland, weil die Ostsee die Luft abkühlt.

Gelten die Werte für mein Grundstück?

Nur näherungsweise. Ein Gemeindewert beschreibt das Mittel von neun Quadratkilometern um die Ortsmitte. Hanglage, Bäume, Nachbargebäude und die Ausrichtung eines Dachs verändern den tatsächlichen Sonnenschein am einzelnen Standort deutlich.

Warum 1991 bis 2020 und nicht die letzten 30 Jahre?

Die WMO legt feste Referenzperioden fest, damit Werte weltweit und über die Zeit vergleichbar bleiben. Die Periode wird alle zehn Jahre fortgeschrieben, aktuell gilt 1991 bis 2020.

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