Sonnenstunden-Karte

Ratgeber · Umzug und Wohnort · 7 Minuten Lesezeit

Sonnenstunden beim Umzug: was 200 Stunden ausmachen

Sonnenstunden taugen als eines von mehreren Kriterien bei der Wohnortwahl, aber die Größenordnung wird leicht überschätzt. 200 Stunden Unterschied im Jahr entsprechen rund einer halben Stunde pro Tag. Und diese halbe Stunde verteilt sich sehr ungleich über die Jahreszeiten.

200 Stunden im Jahr, umgerechnet auf den Tag

Die nüchterne Umrechnung:

BezugRechnungErgebnis
Pro Tag im Jahresmittel200 h geteilt durch 365 Tage33 Minuten
Pro Tag im SommerSommeranteil von 200 h auf 92 Tagerund 51 Minuten
Pro Tag im WinterWinteranteil von 200 h auf 90 Tagerund 14 Minuten

Im Jahresmittel sind das 33 Minuten mehr Sonne pro Tag. Im Sommer fällt der Unterschied mit gut einer Dreiviertelstunde spürbar aus, im Winter mit gut einer Viertelstunde kaum. Das ist der entscheidende Punkt: Die Differenz zwischen zwei Orten entsteht überwiegend in der Jahreshälfte, in der ohnehin viel Sonne scheint.

Belegen lässt sich das mit den Daten. Der Vergleich des sonnigsten Zehntels aller Gemeinden mit dem sonnenärmsten Zehntel, jeweils 1.075 Orte:

ZeitraumSonnigstes ZehntelSonnenärmstes ZehntelDifferenz
Jahr1.774 h1.542 h232 h
Sommer695 h608 h88 h
Frühling545 h492 h52 h
Herbst342 h291 h51 h
Winter192 h151 h41 h

Von den 232 Stunden Jahresunterschied entfallen 88 auf den Sommer, aber nur 41 auf den Winter. Wer einen trüben Winter vermeiden will, findet in der Jahressumme das falsche Maß.

Küste gegen Binnenland

Die Küste gilt als sonnig, und im Jahresmittel stimmt das. Die 870 Gemeinden nördlich des 54. Breitengrads kommen auf 1.704 Stunden gegenüber 1.664,8 Stunden im Bundesmittel. Die Jahreszeiten zeigen aber ein zwiespältiges Bild:

BezugJahrSommerWinter
Gemeinden nördlich 54 Grad (n = 870)1.704 h682 h146 h
Deutschland1.664,8 h653,8 h169,7 h
Differenz+39 h+28 h-24 h

Im Sommer liegt die Küste 28 Stunden über dem Bundesmittel, im Winter jedoch 24 Stunden darunter. Der Vorsprung der Küste ist ein reiner Sommervorsprung. Wer Wert auf helle Wintermonate legt, ist in höheren Lagen des Südens besser aufgehoben, wie Jahresgang der Sonne zeigt.

Ein konkretes Beispiel für die Spannweite innerhalb Deutschlands: Sassnitz auf Rügen kommt auf 1.844,8 Stunden, Winterberg im Sauerland auf 1.441,6 Stunden. Das sind 403,2 Stunden Unterschied zwischen zwei größeren Orten, also gut 66 Minuten pro Tag.

Sonnenstunden für die Reiseplanung

Für den Urlaub ist nicht die Jahressumme relevant, sondern der Wert des Reisemonats. Die Rangfolge der Regionen ändert sich im Jahresverlauf erheblich. Drei Beispiele aus den Daten:

  • Im Jahresmittel führen die Küstengemeinden Rügens mit Werten über 1.800 Stunden.
  • Im Sommer bleibt dieser Vorsprung bestehen: Putgarten erreicht 794,6 Stunden zwischen Juni und August.
  • Im Winter dreht sich das Bild. Balderschwang im Allgäu kommt auf 270,9 Winterstunden, mehr als jeder Küstenort, obwohl der Ort im Jahresmittel nur 1.734,9 Stunden erreicht.

Die Monatsseiten wie Juli zeigen die Rangfolge für den jeweiligen Reisezeitraum. Für einen Ortsvergleich über das ganze Jahr eignet sich das Ranking.

Wo die Kennzahl an ihre Grenzen stößt

Vier Einschränkungen sind wichtig:

  • Der Wert gilt für neun Quadratkilometer, nicht für eine Adresse. Hanglage, Nordseite eines Tals, Bäume und Nachbargebäude verändern den tatsächlichen Sonnenschein an einer Wohnung erheblich.
  • Einzelne Jahre schwanken stärker als Orte sich unterscheiden. An einem festen Ort liegen zwischen dem sonnigsten und dem trübsten Jahr einer 30-Jahres-Periode leicht 500 Stunden. Der Unterschied zwischen zwei durchschnittlichen Orten ist kleiner.
  • Sonnenstunden messen keine Behaglichkeit. Temperatur, Wind und Luftfeuchte entscheiden mit darüber, wie ein Ort erlebt wird. Ein sonniger Küstenort kann im Sommer deutlich kühler sein als ein sonnenärmerer Ort im Binnenland.
  • Die Unterschiede sind kleiner als der Eindruck. Der Median aller Gemeinden liegt bei 1.665,1 Stunden, und nur 70 der 10.753 Gemeinden erreichen 1.800 Stunden. Der weit überwiegende Teil Deutschlands liegt in einem schmalen Band.

Als ein Kriterium neben Arbeit, Wohnkosten und Anbindung ist die Sonnenscheindauer brauchbar. Als alleiniger Grund für einen Umzug trägt sie die Erwartungen selten.

Quellen

Stand der Daten: DWD-Rasterdaten, vieljährige Mittel 1991-2020 und Jahresraster bis 2025; Text erstellt 14.09.2026.

Häufige Fragen

Wie viel merkt man von 200 Sonnenstunden mehr im Jahr?

Im Jahresmittel sind es 33 Minuten pro Tag. Verteilt nach Jahreszeiten entfällt der größte Teil auf den Sommer, im Winter bleiben rund 14 Minuten pro Tag.

Ist die Küste der sonnigste Ort zum Wohnen?

Im Jahresmittel liegen die Gemeinden nördlich des 54. Breitengrads mit 1.704 Stunden über dem Bundesmittel. Der Vorsprung entsteht aber allein im Sommer. Im Winter liegen sie mit 146 Stunden unter dem Bundeswert von 169,7 Stunden.

Welcher Ort passt für helle Wintermonate?

Höhere Lagen oberhalb der winterlichen Nebeldecke. Balderschwang im Allgäu erreicht 270,9 Winterstunden gegenüber 169,7 Stunden im Bundesmittel, obwohl der Ort im Jahresmittel unterdurchschnittlich abschneidet.

Lohnt sich ein Umzug wegen der Sonne?

Die Kennzahl beschreibt ein Flächenmittel um die Ortsmitte und sagt nichts über Lage, Verschattung und Ausrichtung der konkreten Wohnung. Da einzelne Jahre stärker schwanken als sich durchschnittliche Orte unterscheiden, trägt die Sonnenscheindauer als alleiniges Kriterium selten.

Weiterlesen